Forschung
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Tierversuche: Die Zahl sinkt

Das Streben nach höchster Sicherheit und optimaler Wirksamkeit lässt in der Arzneimittel-Forschung einen Verzicht auf infoTierversuche nicht zu. Doch wo immer sich die Zahl dieser Versuche verringern oder die Belastung der Tiere mindern lässt, geschieht dies. Bayer handelt hier nach dem info3R-Grundsatz.
 
Dabei geht es darum, dauerhaft
  • die Anzahl der Versuchstiere zu verringern (reduce);
  • die Untersuchungsmethoden zu verfeinern (refine);
  • durch neue Methoden Tierversuche zu ersetzen (replace).
  • Wie werden diese Grundsätze realisiert? infoErsatz- und Ergänzungsmethoden, mit denen sich bestimmte Prüfungen ebenfalls durchführen lassen (z. B. Enzyme, Zellen, gentechnisch veränderte Zellen, Gewebeproben) werden ständig weiterentwickelt. Das heißt, bei einigen Fragestellungen wurden Tierversuche dadurch überflüssig.
    Auch durch technisch anspruchsvollere Versuchsmethoden kann dieses Ziel erreichet werden – weil man immer weniger Tiere benötigt, um statistisch aussagekräftige Daten zu erhalten .

    Blutdruck aus der Ferne messen

    Die Verfeinerung der Testverfahren dient dem Zweck, die Belastung der Tiere so gering wie möglich zu halten. Das kann durch technische Innovationen erfolgen. Ein Beispiel:

    Nagetiere, an denen die Wirksamkeit neuer Herzmedikamente getestet wird, erhalten einen Sender von der Größe einer Kidney-Bohne implantiert. Damit können Puls und Blutdruck gemessen werden, ohne das Tier aus seiner gewohnten Umgebung herauszureißen. Die Auswertung des Blutdrucks bzw. Blutflusses gibt den Forschern wichtige Rückschlüsse darauf, ob eine Herzerkrankung vorhanden ist und wie sie unter Einfluss der neuen Medikamente verläuft.

    Kleintierbildgebung

    Der verantwortungsvolle Umgang mit Tieren ist oberstes Gebot in der Bayer-Forschung. Neben kontinuierlichen Verbesserungen in der artgerechten Haltung konnten unsere Forscher durch die Entwicklung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden sowie durch kontinuierliche Verbesserungen von Untersuchungs- und Auswertemethoden die Zahl der benötigten Versuchstiere in den vergangenen Jahren deutlich senken. Dazu tragen die Etablierung neuer „in-vitro“-Verfahren, die Nutzung neuer „in-silico“ Methoden (infoComputersimulation), aber auch die Kleintierbildgebung entscheidend bei. Sie ermöglicht schonendere Untersuchungen mit gleichzeitig höherer wissenschaftlicher Aussagekraft.

    Bestes Beispiel sind wissenschaftliche Fragestellungen, bei denen nach der Gabe eines neuen potentiellen Wirkstoffes zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Effekt nachgewiesen werden soll. In der Vergangenheit wurde für jeden Untersuchungszeitpunkt eine Gruppe von Versuchstieren eingesetzt (z.B. vier Gruppen für vier Zeitpunkte). Der Effekt konnte erst nach der Tötung der Tiere durch aufwendige labordiagnostische Verfahren dargestellt werden. Heute erlaubt die Kleintierbildgebung die Reduzierung auf eine Gruppe, die fortlaufend beobachtet wird und damit sogar meht pharmakologische Daten liefert. An der Weiterentwicklung der Kleintierbildgebungs-Verfahren wie Mikro-Computer-Tomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Mikro-Ultraschall sind unsere Forscher aktiv beteiligt. Dafür erhielt eine Forschungsgruppe von Bayer Schering Pharma 2006 den Ilse-Richter-Tierschutzpreis.
    Alternativen
    Ultraschalluntersuchung an einer narkotisierten Ratte. Im Hintergrund sieht man das Echokardiographiesignal.
    Wie kann man ganz auf Versuchstiere verzichten?
    Viele neue Methoden haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass manche Tierversuche komplett durch Verfahren im Reagenzglas ersetzt werden konnten. So war Bayer an der Entwicklung eines Labortests beteiligt, der klärt, ob die Haut durch einen Wirkstoff lichtempfindlicher wird (eine unerwünschte und gefährliche Wirkung vieler Substanzen). Bei diesem info3T3 NRU Phototoxizitätstest werden Hautzellen in einer Nährschale mit ultraviolettem Licht bestrahlt – ein Test, dessen Aussagekraft im Jahre 2003 von der OECD anerkannt worden ist. Früher waren zur Erforschung dieses Effekts Tierversuche nötig. Diese entfallen nun komplett.

    Entwicklung vorantreiben

    Bayer treibt die Entwicklung neuer Methoden voran und nimmt an gemeinsamen Studien von Pharmaunternehmen und Hochschulen teil, mit denen die Aussagekraft alternativer Methoden im Vergleich zu Tierversuchen belegt werden soll. (Validierungsstudien). Damit wird auch ein Beitrag geleistet, diese neuen Methoden weltweit zu etablieren. So arbeitet Bayer in verschiedenen Projekten mit, die von der EU oder der deutschen Forschungsförderung finanziert werden, um den Einsatz von Tieren in gesetzlich geforderten Studien zu reduzieren. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über Bayers Aktivitäten auf diesem Gebiet in den letzten Jahren:
    Kurzbezeichnung Ziele Möglicher Nutzen
    Hepatische Funktion (BMBF) Entwicklung eines Leberzell-Kulturmodells im Reagenzglas zur Testung möglicher Lebertoxizität Verringerung von Nagerstudien zur Bestimmung möglicher Leberschädigung durch Industriechemikalien, Pflanzenschutzmitteln und Arzneimittel
    Embryonale Stammzellen der Maus (BMBF) Weiterentwicklung eines infoin vitro Modells zur Bestimmung möglicher embryonaler Fehlbildungen Verringerung von notwendigen Studien an Ratten und Kaninchen zur Vorhersage embryonaler Fehlbildungen
    Leberkanzerogenese (BMBF), (Toxicogenomics) Vergleich neuer Methoden zur Messung von Genregulation und Proteinexpression zum Nachweis möglicher krebsauslösender Effekte Reduzierung von Langzeit-Rattenstudien zur Bewertung von Chemikalien, Pflanzenschutzmitteln und Arzneimitteln
    Photomutagenität (BMBF) Entwicklung und Validierung von Methoden zum Nachweis von erbschädigenden Veränderungen durch das Zusammenwirken von UV-Licht und Prüfsubstanzen Reduzierung von Langzeit-Untersuchungen zur Bestimmung krebserregender Eigenschaften der Kombination von UV-Licht und Wirkstoff an Nagern
    Kurzzeitkanzerogenese (BMBF) Entwicklung eines Alternativmodells zur Bewertung karzinogener Wirkungen Verkürzung von Nagerstudien zur Bewertung möglichen krebsauslösenden Potentials bei Chemikalien und Wirkstoffen
    Nephrokanzerogenese / Predictomics (BMBF und EU) Entwicklung eines in vitro Tests zum Nachweis nierenschädigender Substanzen unter Einsatz neuer DNA-Analysemethoden Ersatz von Nagerstudien zur Bestimmung möglicher nierenschädigender Wirkungen von Chemikalien und Wirkstoffen
    Mechanismen der Phototox (EU) Entwicklung eines Testmodells zur Auslösung allergischer Effekte durch das Zusammenwirken von UV-Licht und Prüfsubstanz Ablösung belastender Versuche an Meerschweinchen
    Excitotox (EU) Entwicklung eines in vitro Modells von Nervenzellen Reduzierung von Tierversuchen zur Untersuchung von nervenschädigenden Eigenschaften von Prüfsubstanzen
    ReProTect (EU) Entwicklung einer in vitro Prüfstrategie für reproduktionstoxische Eigenschaften Verminderung von Untersuchungen an Ratten und Kaninchen
    A-Cute Tox (EU) Entwicklung einer Testbatterie zur Erfassung akuter infoToxizität Ersatz von Tierversuchen zur akuten Toxizität
    Eine weitere Aktivität unsere Verpflichtung zur Reduzierung von Tierversuchen zu dokumentieren, ist die Kooperation mit der „Europäischen Partnerschaft für alternative Ansätze zu Tierversuchen (EPAA)“. EPAA ist eine gemeinsame Initiative der Europäischen Kommission, einer Vielzahl von Firmen und weiteren Interessenverbänden. Das gemeinsame Ziel ist die Verbesserung der 3R (Replace, Reduce, Refine)-Aktivitäten. Die Partner haben sich dazu verpflichtet, ihr Wissen zusammen zu tragen und Forschung und Ressourcen so zu koordinieren, dass die Entwicklung neuer Methoden beschleunigt wird und schließlich Validierung und Akzeptanz der neuen Tests auch von den Behörden mit getragen wird.
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